Géraldine Fasnacht: Schutzengel in der Lawine

28.04.2014

„Es war ein fantastischer Powder-Tag mit blauem Himmel und guten Verhältnissen, ein perfekter Tag für Filmaufnahmen. Wir filmten in der Nähe der Gondel, unser Ziel war es, genug Footage für die Saison zu haben. Als ich vor dieser Fahrt oben stand, dachte ich, die Verhältnisse wären noch gut genug - das war ein Fehler. Ich realisierte nicht, dass sich die Schneedecke innerhalb kürzester Zeit aufgrund des Temperaturanstiegs verändert hatte. Die Vorbereitungen für den Run dauerten lange und ungefähr in der Mitte des Hangs bemerkte ich den Unterschied. Doch in diesem Moment war es bereits zu spät. Im letzten Steilstück, das in der Sonne lag, geschah es: Ein Schneebrett löste sich, die Lawine entfaltete ihre volle Wucht. Anfangs dachte ich, das Schneebrett sei nur ein kleiner Rutsch – ein Irrtum: Ich befand mich in der Mitte eines großen Lawinenabbruchs, Rausfahren war unmöglich. Das erste Mal in 15 Jahren als Profi  zog ich meinen ABS-Lawinenairbag. Ich erreichte den Auslösegriff schnell und leicht, innerhalb von Sekunden füllten sich die beiden Airbags mit Luft. Es war, als hätte ich Flügel: Mein ABS-TwinBag zog mich nach oben und hielt mich an der Oberfläche. Ich wurde noch gute 300 Meter von der Lawine mitgerissen, hatte aber eine stabile Position, bewegte mich nicht mehr unkontrolliert. Als die Lawine zum Stehen kam, hatte ich eine Menge Schnee im Mund, war aber unverletzt. Ich befreite ich mich selber so schnell ich konnte aus den Schneemassen, um mich an eine sichere Stelle zu begeben.

Der Unfall war eine schockierende und prägende Erfahrung für mich. Dieses Erlebnis hat mich nochmals bestärkt, niemals ohne Airbag rauszugehen. Ich war auf jeden Fall sehr froh, dass ich in diesem kritischen Augenblick meinen ABS-Rucksack dabeihatte."